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"Allianz" zieht Bilanz ...

... Das war ein würdiger und schöner, wenn auch vorläufiger, Abschluss des LIFE+ Projektes "Allianz für Borstgrasrasen" - so die einhellige Meinung der Gäste bei der offiziellen Abschlussfeier des LIFE+ Projektes "Allianz für Borstgrasrasen" am 31. August in Sistig in der Gemeinde Kall.

Über 80 Menschen ließen sich zunächst auf einer Exkursion die Maßnahmen zur Entwicklung der Borstgrasrasen, Heiden und Bergmähwiesen im Schutzgebiet "Sistig-Krekeler Heide" und die Maßnahmen zur Besucherlenkung zeigen und erklären. Die Menschen waren begeistert von der Veränderung, die sich hier seit Projektbeginn im Jahr 2011  getan haben.

 Angeregter Austausch über das Naturschutzprojekt bei der Exkursion (Bildautor: A. Au)


Mit 2,6 Millionen Euro EU-Fördermitteln und Mitteln des Kreises Euskirchen wurden in den drei Eifelkommunen Kall, Hellenthal und Dahlem 117 Hektar artenarme Flächen, größtenteils Fichtenmonokulturen, in artenreiche Borstgrasrasen, Heiden und Bergmähwiesen verwandelt. „Wir finden hier jetzt schon eine wunderbare Artenvielfalt vor“, sagte Stefan Meisberger, Geschäftsführer der Biologischen Station Euskirchen. 
Das Naturschutzprojekt läuft zwar erst Ende 2019 aus – doch die Projektverantwortlichen Marietta Schmitz, Marita Müller-Ahrens und Karin Wagner haben schon einiges vorzuweisen. Heidelerche, Lungenenzian und auch der nordische Augentrost sind zurück. Seltene Schmetterlinge, Heuschrecken und Vögel haben sich die Lebensräume bereits zu Eigen gemacht. Stefan Meisberger darf zurecht zufrieden festhalten: „Das sind herausragenden Erfolge.“

Zeit Bilanz zu ziehen und das gemeinsam Erreichte zu feiern - Nach der Exkusion wurde im Sportlerheim des SV Sistig/Krekel die gute und nachhaltige Zwischenbilanz des Projektes mit über 80 Gästen gefeiert.
Am Anfang standen erhebliche Schwierigkeiten. Es musste viel Überzeugungsarbeit für das Vorhaben geleistet werden, denn nicht allen gefiel die Vorstellung, ertragreiche Fichtenwälder für Wiesen und Weiden abzuholzen. Doch inzwischen ist die anfängliche Skepsis einer Begeisterung angesichts der bereits sicht- und greifbaren Ergebnisse gewichen.
117 Hektar kommunale Forstflächen sind zurückverwandelt worden in Borstgrasrasen, Heiden und Bergmähwiesen. Hubert Kaiser, Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im NRW-Ministerium macht deutlich: „NRW-weit gibt es vom „Borstgrasrasen“ nur nur 320 Hektar!“
Die neuen ökologisch hochwertigen Freilandflächen liegen nicht allein auf Kaller Hoheitsgebiet. Weitere FFH-Gebiete (FFH = Fauna, Flora Habitat, das sind besonders unter Schutz gestellte Flächen von europäischer Bedeutung) in der nordrhein-westfälischen Eifel gehören dazu: "Manscheider Bachtal und Paulushof", "Baasemer Wald", "Heidemoor am Moorbach" sowie "Dahlemer Binz".
Federführend für die Wiederherstellung dieser gefährdeten Lebensraumtypen war die Biologische Station im Kreis Euskirchen. Die drei Gemeinden Hellenthal, Kall und Dahlem stelten Flächen gegen finanziellen Ausgleich zur Verfügung. Prof. Dr. Wolfgang Schumacher, der Vorreiter des Naturschutzes in der Eifel sowie Meisbergers Vorgänger Dieter Pasch hatten früh erkannt hat, welches Potential die Flächen unter den Fichten bieten und das Projekt initiiert.

Projektverantwortliche stolz auf das Erreichte -  Alle Flächen der FFH-Gebiete konnten bereits an Landwirte verpachtet werden. Sie bewirtschaften diese Flächen extensiv, also ohne den Einsatz von Dünger, mit zurückhaltender, die Vegetationsentwicklung nicht drastisch beschneidender Mahd und flächenschonendem Weideviehbesatz. Im Einsatz sind Rauhaarige Pommersche Landschafe, Moorschnucken und Ziegen, aber auch Pferde und Rinder.
Die „Allianz“ leistet einen großen Beitrag zum Erhalt der Eifeler Kulturlandschaft, die einst die Region bestimmte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie durch Nadelholzaufforstungen zurückgedrängt, die wirtschaftlich lukrativer waren.
Biostationsleiter Meisberger berichtete von der aufwendigen und sorgfältigen Umwandlung der Flächen. Teilweise musste von Hand gearbeitet werden, Ehrenamtler packten mit an, Rückepferde schleppten in besonders feuchten Gebieten die gefällten Baumstämme bodenschonend heraus. Um der Natur eine Starthilfe zu geben, wurden Samen der gewünschten Flora ausgesät.
Neben der ökologischen Aufwertung der Gebiete habe das Landschaftsbild gewonnen, freut sich Meisberger. Ein mit der Sistiger Dorfgemeinschaft aufbereiteter Rundweg führt naturschonend durch die lebendige Kulturlandschaft der "Sistig-Krekeler Heide". Von Bänken aus kann der Blick weit ins Land schweifen.

„Hervorragendes Naherholungsgebiet“ - Auch Kalls Bürgermeister Hermann-Josef Esser ist stolz auf das Kleinod in seiner Gemeinde: „Damit ist nicht zuletzt auch für die Bürger ein hervorragendes Naherholungsgebiet geschaffen worden.“ Moderator Manfred Lang, der unterhaltsam durch das Programm führte, brachte es auf den Punkt: „Das ist ein Juwel, was hier erschaffen worden ist.“

Welch unglaubliche Artenvielfalt eine intakte und im Gleichgewicht befindliche Natur bieten kann, machte Barbara Geiger alias „Fräulein Brehm“ in einem schauspielerisch unterhaltsamen Plädoyer für die „wilde Biene“ deutlich. Schließlich ist längst nicht – wie man vielleicht gemeinhin denkt – Biene gleich Biene. „Genau 19.844 Bienenarten hat die Wissenschaft bis jetzt beschrieben – und es fehlen immer noch tausende!“, so Barbara Geiger in ihrem heftig beklatschten Programm „Fräulein Brehms Tierleben“.

Eine solch atemberaubende Vielfalt in der Tierwelt gelte es zu erhalten, so Landrat Günter Rosenke. Nicht nur heute, sondern für die Zukunft der Kinder und Kindeskinder. Die Verantwortlichen wollen weiterhin alles dafür tun und das Projekt fortführen.

 

Überzeugungsarbeit musste Projektmanagerin Marietta Schmitz (l.) bei der Zwischenbilanz zum Naturschutzprojekt „Allianz für Borstgrasrasen“ in der Sistig-Krekeler Heide keine mehr leisten. Die 80 Gäste, die sich von ihr und ihrer Kollegin Marita Müller-Ahrens durch die neuen Borstgras- und Heidebio-tope führen ließen, waren begeistert von dem seit 2011 erreichten. (Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress)

 

117 Hektar kommunale Forstflächen sind in der nordrhein-westfälischen Eifel zurückverwandelt worden in Borstgrasrasen, Heiden und Bergmähwiesen. Hubert Kaiser, Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im NRW-Ministerium macht deutlich: „NRW-weit gibt es allein vom Borstgrasrasen nur 320 Hektar!“ (Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress)

 

Kalls Bürgermeister Hermann-Josef Esser (3. v. links) ist stolz auf das besondere Schutzgebiet in seiner Gemeinde: „Damit ist nicht zuletzt auch für die Bürger ein hervorragendes Naherholungsgebiet geschaffen worden.“
"Wir sind stolz auf das Kleinod, das vor der Haustür entstanden ist!" so auch Günter Rosenke, Landrat des Kreises Euskirchen  (1. v. rechts) (Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPressoto)

 

Welche Artenvielfalt eine intakte Natur bieten kann, machte Barbara Geiger alias „Fräulein Brems Tierleben“ in einem schauspielerisch unterhaltsamen Plädoyer für die „wilde Biene“ deutlich. Schließlich ist längst nicht – wie man vielleicht gemeinhin denkt – Biene gleich Biene. (Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress)

 So "bunt und vielfältig" sehen die Flächen heute aus - ein großer Erfolg gemeinsamer Arbeit, der gebührend gefeiert wurde (Biolog. Station im Kreis Euskirchen e.V. M. Schmitz)



Zum Pressebericht vom 03. Sept. 2018 im Kölner Stadtanzeiger: